ACTES 7
zur Wiedergewinnung seiner widerrechtlich enteigneten Einrichtungen in Barcelona
Der Ateneu Enciclopèdic Popular wurde im Jahre 1902 von Freidenkern und Bildungsförderern wie Josep Tubau und Eladi Gardó als Arbeiterbildungseinrichtung in Barcelona gegründet. Später konnte er auf die Unterstützung von Francesc Layret, Lluís Companys, Lluís Bulfi und anderen katalanischen Arbeitern und Intellektuellen zählen.
Währende des ersten Drittels des 20. Jahrhunderts war der Ateneu Enciclopèdic Popular ein äußerst wichtiger Bezugspunkt, sowohl für die Kulturwelt, als auch für die sozialen Bewegungen in Barcelona. In dem Jahrzehnt zwischen 1910 und 1920 erreichte er eine Mitgliederzahl von über 20.000; zahllose Sektionen trugen zu einer großen Vielfalt der geistigen Strömungen und menschlichen Beziehungen bei. Ebenso ist zu erwähnen, daß in diesem Zeitraum bedeutende Persönlichkeiten der katalanischen Kultur wie Joan Salvat-Papasseit, Joaquim Maurin, Víctor Colomer, Manuel Ainaud de Lasarte, Joan Bastardas, Jaume Aiguader, Josep Mª de Sucre, Joan Amades, Angel Pestaña, Salvador Seguí etc. aktiv am Leben des Ateneu beteiligt waren.
Während dieses ganzen Zeitraums gelang es dem Ateneu ein großes menschliches, aber auch materielles Vermögen zu gewinnen, wie das Gebäude in der C/Carme 30, eine Wohnung in der C/Sta. Anna, das Grundstück Ecke Rambla/Pintor Fortuny (auf dem heute ein Hotel steht) und ein Haus in La Molina.
All dieser Besitz wurde nach der katastrophalen Niederlage im Spanischen Bürgerkrieg von Falangisten widerrechtlich enteignet (und befindet sich heute in Händen der Generalitat von Katalonien). Die faschistische Soldateska ließ ihrer Zerstörungswut freien Lauf, verwüstete und verbrannte die Bibliothek und das Archiv im Sitz des Ateneu in der C/Carme 30. Zweifellos hatten sich die franquistischen Soldaten die Leitbilder von General Emilio Mola ("Hay que acabar con la cultura obrera" – "Die Arbeiterkultur muß ausgelöscht werden") und General José Millán Astray ("Viva la muerte" - "Es lebe der Tod") zu eigen gemacht.
Nach der Ankunft der "dunklen Nacht des Schweigens" durchlitten der Ateneu Enciclopèdic Popular und seine Mitglieder, wie so viele andere Organisationen, Exil, Gefängnis und Tod. In der Nachkriegszeit versuchte der Franquismus die Arbeiterkultur endgültig auszulöschen. Angst machte sich breit, und kein Arbeiter konnte sich mehr erlauben, über die eigene Geschichte und Kultur auch nur zu reden.
Mit der nach dem Tod des Diktators neuinstallierten Demokratie begann eine Gruppe von ehemaligen Mitgliedern und interessierten jungen Leuten den Geist des Ateneus wiederzubeleben. Auf diese Weise entstand 1977 in Barcelona von Neuem der Ateneu Enciclopèdic Popular, nicht nur, um die Erinnerung an den alten Ateneu wachzuhalten, sondern auch, um die ganze Geschichte des (zeitweise sehr erfolgreichen) Kampfes gegen den Faschismus wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken.
Seitdem hatten die Aktivitäten des Ateneu Enciclopèdic Popular das Ziel, die verlorene Geschichte wiederzugewinnen und die Aufgabe fortzuführen, eine Volksuniversität zu sein. In dieser Zeit, sowohl während der ersten Phase in der C/Montalegre 5, als auch am gegenwärtigen Sitz Passeig St. Joan 26, verwandelte sich seine Bibliothek, Hemerothek und sein Archiv (Centre de Documentació Històrico-Social) in eine der wichtigsten Dokumentationseinrichtungen über die Arbeiterbewegung in Spanien. Gleichzeitig wurden eine Vielzahl von Aktivitäten (Vorträge, Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen, Zusammenarbeit mit Medien und Filmemachern...) durchgeführt, mit dem Ziel, das Schweigen über die Vergangenheit zu brechen. Denn, um für die Zukunft gerüstet zu sein, muß man seine eigene Geschichte kennen.
Hundert Jahre später bleibt das Ziel des Ateneu dasselbe: Die Förderung einer echten Volkskultur in einer Welt, in der die Bildung der Menschen durch die Megamaschine des Kapitalismus ersetzt worden ist.
Heute, nach beinahe 30 Jahren ungleichen Kampfes, und nachdem verschiedene bedeutende Gesellschaftsgruppen und Verbände davon sprechen, daß das Geschichtsbewußtsein des Landes wiedergewonnen werden muß, halten wir es für unerläßlich, darauf zu bestehen, daß es nicht damit getan ist, die Papiere von Salamanca wieder zurückzugeben, sondern daß auch Einrichtungen wie dem Ateneu Enciclopèdic Popular ihr enteignetes Vermögen zurückerstattet werden muß, wie es schon bei anderen Opfern des Franquismus (Personen, Organisationen, Parteien, Gewerkschaften) geschehen ist.
Daher denken wir, daß die aktuelle Regierung die ehemaligen Besitztümer des Ateneu Enciclopèdic Popular an die heutigen Mitglieder zurückgeben muß, vor allem, wenn man in Erwägung zieht, daß die verschiedenen Einrichtungen mit den Anstrengungen und finanziellen Beiträgen der Ateneisten aus der Arbeiterklasse geschaffen wurden.
Barcelona im Juli 2006
Ateneu Enciclopèdic Popular
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